Enno Igel

Noch scheint die Sonne, doch die Tage werden immer kürzer. Auch Enno der Igel merkt das. Er sucht nach einem Schlafplatz, der ihn trocken und warm über den Winter bringt. Am besten gefällt ihm ein großer Blätterhaufen im Park unter der Rieseneiche. Gleich dort, rechts neben dem Spielplatz. Den hatte er gestern Abend entdeckt, als er auf Futtersuche war. Heute will er sich ihn genauer ansehen. Also macht er sich auf den Weg und passt gut auf, als er die Straße vor dem Park überquert.

Endlich ist er am Spielplatz angekommen und kann den großen Baum schon sehen, unter dem sein neues Zuhause liegt. Plötzlich bleibt er stehen. Er sieht viele Kinder, die unter der Rieseneiche spielen. Immer wieder laufen sie lachend durch den Blätterhaufen und werfen die Blätter hoch in die Luft. Bald ist nichts mehr von einem Blätterhaufen zu sehen. Enno seufzt und wünscht sich, dass die Sonne hinter den Wolken verschwindet und es zu regnen beginnt. Dann würden die Kinder sicher nach Hause gehen, denn spielen macht nur bei schönem Wetter richtig Spaß. Aber Regen gefällt auch Enno nicht besonders, er mag es trocken und warm. Er weiß aber, dass es jeden Tag kälter wird und der Winter kommt. Deshalb sucht er ja ein Haus. Hier im Park wird er sicher keinen Platz finden, der sich als Schlafplatz eignet. Eine kleine Träne kullert über die Igelnase. Enno schnieft einmal ganz kurz und dann begibt er sich auf eine neue Suche nach einem Haus für den Winter.
wp_20160910_19_59_43_proEr läuft und läuft, bis er müde wird. Dann rollt er sich unter einem Strauch zusammen und schläft. Als er am anderen Morgen wach wird, staunt er. Es ist sehr ruhig, fast still. Vorsichtig steckt er seine Nase unter dem Strauch hervor und schnüffelt. Es riecht gut, fast so wie im Park. Weil nichts Beunruhigendes zu hören ist, kommt er langsam unter dem Strauch hervor und schaut sich um. Er sieht Gras und Büsche, sogar noch einige fast verblühte Blumen. Stück für Stück erkundet er nun neugierig die neue Umgebung. Es ist noch sehr früh am Morgen, selbst die Vögel werden gerade erst wach. Etwas weiter entfernt sieht er ein kleines Haus mit einer Tür, zwei Fenstern und einer alten, verwitterten Bank davor. Er schnüffelt wieder und beschließt dem leckeren Geruch zu folgen, der vom Haus zu kommen scheint.

Dort, unter der Bank, steht eine Schale mit Futter. Enno überlegt kurz, wem das wohl gehören mag.  img-20160910-wa0025Dann aber siegt der Hunger und er fängt an zu fressen und zu schmatzen. Kurze Zeit später ist er satt und zufrieden. Hier gefällt es ihm, ob er hier ein neues Zuhause findet? Er legt sich unter einen Busch hinter dem Haus und beschließt, das Haus und den Garten zu beobachten. Er will wissen, wer hier lebt und warum unter der Bank so leckeres Futter steht.

Später am Morgen, als die Sonne schon hell und warm schien, öffnete sich die Tür des kleinen Hauses. Ein alter Mann kam heraus, reckt sich und schaut sich dann im Garten um. Als der die leere Schale unter der Bank entdeckte, nickte er ein wenig mit dem Kopf. „Schön“ murmelt er leise, „du hattest also Hunger“. „Max“, rief er laut und gleich darauf noch einmal etwas lauter. Nichts passiert. Enno ist neugierig. Wer ist Max? Und wieso wusste der alte Mann, das er kam und Hunger hatte? Sehr seltsam. Plötzlich erschien ein riesengroßer Kater und streifte dem alten Mann um die Beine. Dieser streichelte ihm kurz über das schwarze Fell. „Na du Rumtreiber, wie war die Nacht?“, fragte er ihn. Der Kater schnurrte laut, gähnte lang und breit und streckte sich. „Aha“, dachte Enno, „das also ist Max.“

Dann ging der Kater zu dem Futternapf. Er schaute hinein und maunzte. Er hatte Hunger, schließlich war er die ganze Nacht im Dorf gewesen und hatte sich auf die Lauer gelegt. Aber keine einzige Maus hatte er gefangen. Er maunzte noch einmal, diesmal viel lauter und klopfte mit der rechten Pfote auffordernd gegen die Schale.

Der alte Mann runzelte die Stirn. „Hat dir die Portion nicht gereicht, alter Rumtreiber?“, fragte er. „Na warte, heute bekommst du ausnahmsweise noch einen Nachschlag.“ Mit diesen Worten füllte er die Schale erneut. Der Kater stürzte sich auf das Fressen, verschlang es und ging dann, sich die Schnauze mit der Zunge ableckend, ins Haus. Er war satt, zufrieden und müde.

Enno Igel staunte. Was er sah, gefiel ihm. Wenn er jetzt noch ein Haus für sich finden würde, dann könnte der Winter kommen. Interessiert sah er sich im Garten des alten Mannes um. Dort standen Bäume, viele Holzkisten, ein alter Schuppen und zwei große Laubhaufen. Ganz hinten im Garten war ein Abfallplatz mit Essensresten. Hier würde er sich keine Sorgen um das Futter machen müssen, er musste nur dem großen Kater aus dem Weg gehen. Hier ist meine neue Heimat, beschloss er und einen Namen hatte er auch schon – Igelhausen. Gleich heute Nacht würde er mit der Einrichtung seines neuen Winterquartiers beginnen. Jetzt brauchte er, genau wie Kater Max, erst einmal ganz viel Schlaf.

Als es dämmrig wurde, wachte Enno auf. Zuerst lief er zum Schuppen und schaute neugierig hinein. Er überlegte, ob er hier sein Bett bauen sollte? Oder doch lieber in einer der Kisten? Was brauche ich eigentlich alles, um ein Haus einzurichten? So viele Fragen, Enno ist ratlos.

Wo soll ich schlafen? Wie soll ich mein Haus einrichten? Muss ich noch Vorräte sammeln? Wird der alte Mann merken, dass ich jetzt im Garten wohne? Und was wird Max zu seinem neuen Mitbewohner sagen? Könnt ihr Enno helfen? Schreibt meine kleine Geschichte weiter oder malt Bilder dazu. Enno Igel freut sich.

U. Specht

Bilder der Klasse E5

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